Samstag, 17.08.2019

Jan Delay & Disko No.1 · Samy Deluxe & DLX Ensemble *MTV unplugged* · Special Guest




Jan Delay & Disko No.1

„Sich wiederholen ist Dieter Bohlen.“ Für Bonmots dieser Art ist Jan Delay seit Anbeginn seiner Karriere bekannt. Und die Ansage, 2009 ausgesprochen in einem Interview mit dem Intro Magazin, ist Programm: Als der HipHop-Boom seine Kinder fraß und Jan Delay als einer der wenigen heil aus der Sache rauskam, mischte er sich im Terroristen-Look in den Kölner Karneval und skandierte zu traditionellen Reggae-Tunes: „Ich möchte nicht, dass ihr meine Lieder singt“. Als man ihn allerorts für seine kredible Beginner-Vergangenheit und seine bodenständige Authentizität feierte, erfand er den „Mercedes-Dance“, versammelte die Live-Macht Disko No. 1 um sich, und war fortan der Turnschuh tragende „soul funk brother“ im Anzug powered by Herr von Eden. Nachdem Jan Delay „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“ nachlegte, das ebenfalls dem Funk und dem Soul huldigte, drehte er dann völlig überraschend die Verstärker auf „11“ und stellte sich als Rocker in Lederjacke nackt in den Wind – was an dieser Stelle mal metaphorisch gemeint ist. Denn „Hammer & Michel“, angekündigt durch die Vorab-Single „Wacken“ spaltete die Gemüter, brachte ihm Lob und Respekt und Spott und Häme, kurz: das Album funktionierte genauso, wie er sich das gewünscht hatte. Für die Hater-Fraktion hatte er dann auch gleich im Rockstomper „Nicht eingeladen“ die passende Botschaft: „Denn du, du bist nicht eingeladen, du darfst noch nicht mal einen Flyer haben.“

Es gibt in der deutschen Poplandschaft nur wenige Musiker, die eine ähnliche überraschungsreiche Karriere vorweisen können wie Jan Delay. Dass er immer wieder damit durchkommt, liegt aber nicht nur an seiner treffsicheren Reimkunst und seinen feinen Sinn für knackige Slogans, und auch nicht am Trademark seiner einzigartigen Gesangsstimme, sondern vor allem an einer hart erspielten Tatsache: Es gibt hierzulande schlichtweg keine bessere Live-Band als Disko No. 1 und ihre stylische Frontsau Jan Delay. Wer diesen großen Worten nicht glauben mag, der gehe gefälligst zu einer der ab August erneut bundesweit anstehenden Konzerte. Oder er schaue sich noch mal Jan Delays Abriss beim diesjährigen Rock am Ring an. Da zeigte sich die um einen Gitarristen verstärkte Band in schwarzen Anzügen mit Leoparden-Muster und rauschte durch ein rund 90minütiges Set, das für jeden etwas im Sakko hatte: Rockabilly- und Classic Rock-inspirierte Nummern, Funk-Bretter, Soul-Samt, Groove-Monster, Reggae-Schunkler und für die Nostalgie-Freunde ein paar Klassiker aus Beginner-Zeiten, gegen die der HipHop von heute noch immer abstinkt. Es bleibt also, in seinen Worten „die gleiche, glorreiche, Euphorie spendende und schweißtreibende Disko-No.-1-Show. Aber jetzt mit zwei Gitarren. Es wird der gewohnte Knaller, wie eh und je. Nur jetzt mit noch mehr Rave durch diese neuen Bretter.“ Nuff said.



Samy Deluxe & Das DLX Ensemble *Mtv Unplugged*

Ende der 90er lehnte, der Sage zur Folge, ein Major Label AR das Dynamite Deluxe Demo mit der Begründung ab, dass sie noch nicht das gewisse Etwas hätten. Gut 20 Jahre, 13 Alben, unzählige Mixtapes und ca. eine Milliarde legendäre Features später hat der Wickeda MC Anfang April auf der MTV Unplugged Bühne abschließend bewiesen, dass er als Kind in einen Topf gewisses Etwas gefallen sein muss. Aber zurück zum Anfang...anno 1997. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, bringen Jan Delay, Samy Deluxe, DJ Dynamite und Tropf das Dynamite Deluxe Demo kurzerhand selber raus. Via Vinyl Singles auf dem eigens gegründeten Independent-Label Eimsbush und ersten Features auf diversen Deutschrap Klassikern rollt Samy unaufhaltsam weiter in Richtung des ersten Dynamite Deluxe Albums: ‚Deluxe Soundsystem’. Auch auf seinem kurz darauf folgendem Soloalbum (‚Samy Deluxe’) sowie diversen Features untermauert Samy weiter seine Alleinstellung als dem schlagfertigsten Rapper der hiesigen Szene. Nachdem bis hier hin auf seinen Werken kaum Platz für andere Rapper ist, tut er sich mit Afrob zu ASD zusammen. Für ihr Album reisen die beiden in die USA um vor Ort mit Produzenten zu arbeiten, von denen sie selber Fans sind. Der Beutezug hat sich so gelohnt, das sich auch auf ,Verdammtnochma!‘ noch Beats von den Heatmakerz oder Diamond D finden. Als nächsten Entwicklungsschritt schafft Samy mit Deluxe Records eine Plattform für Artists wie Headliners, Illo oder Ali As. Neben deren Soloalben entstehen in der Hinterhof-Etage zwischen Sternschanze und Reeperbahn einige Mixtapes und das Posse-Album ‚Deluxe Records – Let’s Go!’. Acht Jahre nach ‘Deluxe Soundsystem’ kommt das zweite Dynamite Deluxe Album ‘TNT’. Mit Bangern wie ‘Dynamit!’, ‘Weiter’ oder ‘Boombox’ knüpfen die Drei so konsequent an erste LP an, dass die Platte mit den letzten Zeilen vom 2000er Debüt beginnt.

‚Dis wo ich herkomm‘’ läutet eine neue Ära ein, in der Samy sich sowohl tiefer mit sich selber als auch dem Land in dem er aufwuchs auseinandersetzt. Teil davon ist die Kreativarbeit mit Kindern und Jugendlichen um ihnen wichtige Skills wie Team- und Konfliktfähigkeit beizubringen. Dieses Element begleitet ihn bis heute in Form des DeluxeKidz e.V.. Für ‘SchwarzWeiss’ kreiert der Wickeda MC die visuellste und vielschichtigste Kampagne bisher. Mittlerweile ist die KunstWerkStadt vor den Toren Hamburgs in die Fussstapfen der Deluxe Records Etage getretenen. Neben den Songs für das Album entstehen hier auch die ‚One Take Wonder’- Videos in denen Samsemilia gerne mal über 100 Takte durchrappt ohne abzusetzen. Im Windschatten des #1 Albums macht Samy als Herr Sorge einen kurzen Abstecher in die Welt des Unpops, bevor er sich mit ‘Männlich’ wieder ganz dem Rap widmet. Die Songs sind geprägt von komplexen Reimschemen, weil sie direkt am Mic ohne Umweg über Papier entstehen. Nach so viel Solo-Output holt Samy seinen Quasibruder Afrob wieder mit ins Boot. Auf ‘Blockbasta‘ perfektionieren die beiden ihr Wechselspiel um Deutschland nochmal zu erinnern, dass sie immer noch das derbste Team hier sind. Kurzer Zwischenstopp auf der legendären Hamburger Stadtparkbühne, um mit dem Who-Is-Who des Deutschraps sein 20-jähriges Bühnenjubiläum zu feiern. Die Krassheit dieser Show bringt dann auch den Wunsch mal ein MTV Unplugged zu spielen endgültig zum sprießen. Aber erstmal stürzt Samy sich in sein jüngstes Album ,Berühmte Letzte Worte‘. Mit ‚MiMiMi‘, ‚Haus am Mehr‘ oder ‚Papa weint nicht‘ erforscht Samy neue Perspektiven auf Themen, die ihn schon länger begleiten. Auf ‚Was ich fühl’ bestätigt Samy, dass er zufrieden ist, wenn er das Resümee seiner Karriere zieht. Und genau das tut er und performt dieses Resümee in Form seines ‚SaMTV Unplugged‘ im April 2018. Bei der Ausnahmeshow geben sich Wegbegleiter aus beiden Jahrzehnten seiner Karriere das Mic in die Hand. Neben einer mit komplett neu arrangierten Klassikern und nie live gespielten Perlen gespickten Show wartet auch Abseits der Hauptbühne noch die ein oder andere Überraschung für die Hip Hop Heads, wenn ‚SaMTV Unplugged‘ im August veröffentlicht wird.